CDU-Mitgliedermagazin UNION 3/2008

 Fragen an Herrn MP Dieter Althaus, Thüringen

1. Herr Ministerpräsident, von Ihnen stammt der Satz: „Die Veränderungen der Jahre nach 1989 waren nur möglich, weil Frauen und Männer die Freiheit erstritten und Verantwortung übernommen haben.“ Wie haben Sie persönliche diese Zeit erlebt.

Es war eine spannende und sehr bewegende Zeit. Die Friedensgebete und Demonstrationen haben mich sehr geprägt. Ich war damals stellvertretender Schuldirektor und ab Januar 1990 als Kreisschulrat für die demokratische Neugestaltung des Schulwesens in meinem Heimatkreis verantwortlich. Enthusiasmus und Zuversicht bestimmten mein Handeln. Wir wollten Freiheit und Demokratie. Wir wollten unser Land verändern. Die Chancen haben wir genutzt.

2. „Wir sind ein Volk“ war das Leitmotiv der friedlichen Revolution von 1989. Ist das Zusammenwachsen von Ost und West inzwischen abgeschlossen?

Gut 20 Jahre nach der friedlichen Revolution können wir eine positive Bilanz ziehen. Wir sind dankbar für die Hilfe aus den alten Ländern und haben eine tolle Aufbauleistung geschafft. Gemeinsam können wir stolz auf das Erreichte sein. Die Menschen in den jungen Ländern mussten vielfach ihr komplettes Leben neu ausrichten und bringen daher einen ganz wichtigen Erfahrungsschatz in die gesamtdeutsche Gesellschaft ein. Wenn wir unvoreingenommen und offen aufeinander zu gehen, dann gelingt das Zusammenwachsen in unserem Land. Für die Jugendlichen ist dies glücklicherweise kein Thema mehr.

3. Glaubt man den Umfragen, dann wissen junge Menschen kaum etwas von der DDR. Macht sie das anfällig für Parolen vom rechten und linken Rand?

Das "Wissen über das Nichtwissen der Schüler" ist für uns die klare Aufforderung, mehr zu tun. Gerade jetzt, wo eine Generation erwachsen wird, die die DDR nicht mehr aus eigenem Erleben kennt, sind vor allem die Familien und Schulen gefordert. Das Bewusstsein für die DDR als Diktatur muss geschärft werden. Lebensnahe Wissensvermittlung wie zum Beispiel in Grenzlandmuseen oder in ehemaligen Stasi-Haftanstalten ist notwendiger denn je. Natürlich muss die individuelle Lebensleistung jedes Einzelnen wertgeschätzt werden. Aber es darf nicht die rosa eingefärbte DDR-Nostalgie übrig bleiben.


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